• Amadeus

„Männer“ – eine Revue über das „starke“ Geschlecht und ihre kleinen (und großen) Schwächen

Interview mit der Regisseurin Cornelia Bitsch zur neuen Revue der Burgbühne.

Johanna Graupe: Wie kommt man darauf, ein Stück nur mit Männern zu inszenieren? Und gibt es solche Stücke überhaupt?
Cornelia Bitsch: Wenige, sehr, sehr wenige, meist nimmt auch eine weibliche Hauptperson ihren Platz in einem Theaterstück inmitten einer schauspielernden Männergesellschaft ein. Mich hat das Thema "Männer" ganz besonders gereizt, ich habe ein große Affinität zu ihrer Art zu denken, ihrer Spielfreude auf verschiedenen Ebenen, ihre Unbeschwertheit, die sie sich meist ein Leben lang erhalten. Und ich fand, nachdem ich die sehr inspirierende Spielvorlage von Wittenbrink gelesen habe, dass ich für unser vielseitiges und außergewöhnlichen Männerensemble sicher eine gute Stückvorlage schaffen könnte, in der sie sich in den unterschiedlichen Charakteren austoben, sich an den Texten und Liedern erfreuen, sich szenisch ausweinen und auslassen und das Publikum in ihren Bann ziehen können.
Zudem wollte ich ein gleichwertiges Pendant zum diesjährigen Sommerstück „Himmel auf Erden“ schaffen, in dem ja die Frauen die Führung übernommen hatten und es nur einen Hahn im Korb gab.


Geht es denn ohne Frauen?
C. Bitsch: Natürlich geht es nicht so ganz ohne weiblichen Einfluss, auch in „Männer“ gibt es sie: Die Frau. Mal tigert sie als eine von der Arbeit kommende junge Frau auf dem Nachhauseweg über die Bühne, mal steht sie, sich schminkend am Fenster, mal ist sie Phantasiewesen, mal Stimme im Kopf, mal Gedanke zwischen Traum und Wirklichkeit, in jedem Fall ein immer gegenwärtiges Wesen, ob Man(n) will oder nicht.

Landauf, landab begeistern die Liederabende von Wittenbrink – wie ist der Erfolg zu erklären?
C. Bitsch: Der Autor Franz Wittenbrink hat mit "Männer" oder - besser gesagt-  schon mit seinem ersten Stück dieser Art, „Sekretärinnen“, ein ganz neues Genre geschaffen. Es ist eben nicht nur ein Liederabend oder eine sich mit Texten und Liedern abwechselnde Revue, nein, es ist eine subtile Charakterzeichnung. Genial. Bei ihm erzählen die von ihm angedachten Figuren ausschließlich durch ihre Lieder, es ist also gesangslastig, bei uns nun erzählen sie durch Lieder und von mir ergänzte kleine Spielszenen ihre Konflikte, ihre Gedanken, ihre Sehnsüchte. Die Lieder und Texte gehen Frauen wie Männer gleichermaßen an: die Männer, weil es ihre Texte sind, die Frauen, weil sie dadurch verstehen lernen, was Mann so umtreibt, worüber er gern spricht, wovon er träumt, wonach er sich sehnt!

Eine der erfolgreichsten Inszenierungen der Burgbühne war ebenfalls eine Wittenbrink-Revue…?
C. Bitsch: Ja, wir hatten vor gut einem Jahrzehnt „Sekretärinnen“ auf dem Spielplan, auch ein wunderbare Vorlage, eine köstliche Studie über unterschiedliche Frauencharaktere, eingebettet in den alltäglichen Wahnsinn in einem Sekretärinnen-Großraumbüro. Da wechselten sich Text und Gesang noch ausgewogen ab, in „Männer“ ist es jetzt gesungenes Schauspiel, eine geniale Idee, Schauspieler und Publikum an Musik als Ausdrucksform auf der Schauspielbühne heranzuführen und zu verführen.

Lied um Lied lernen wir sie kennen, wenn sie sich in die tiefsten Tiefen ihres Seelenlebens schauen lassen: unterschiedliche Typen mit unterschiedlichen Songs. Wie ist das bei dieser Inszenierung?
C. Bitsch: Wichtig ist mir, unsere Männer nicht in ein vorgegebenes Korsett hineinzuzwängen, sie sind Amateure, spielen Theater als Hobby. Es gilt, für sie zugeschnittene, zu bewältigende Lieder zu suchen und zu finden und Textüberbauten zu schaffen, in denen sie sich ihren Möglichkeiten nach entsprechend ausspielen können.
In der Vorprobenzeit hieß es nun erst einmal, mit unserer überaus geduldigen Korrepetitorin Anja Bittner zu „pauken“, dann entwickelte sich der musikalische Feinschliff, der Drive mit Maetze Schulz am Klavier während der Inszenierung als fester Bestandteil derselben, und jetzt schließlich ist das Ergebnis auf den Brettern der Burgbühne zu bewundern. Ich denke, das war und ist für uns der richtige Weg. Das Ensemble soll sich am Abend, natürlich innerhalb meiner Inszenierung, frei spielen können, ihn genießen und nicht womöglich vor schwierigen Gesangsstellen bibbern müssen. Unsere kleine Welt des Erfolgreichen, des Machos, des Muttersöhnchens, des feinen Herrn und des derben Spaßvogels, die kleine Welt unserer „Männer“ muss perfekt sitzen, dass sie sich drehen kann. Dann gibt sie Spielfreiraum und Laune macht sich breit auf der Bühne, gute Laune, die sich verbreitet und ins Publikum überspringt. Auf der Burgbühne stellen sich Jo, Big Boss, Doktorchen, Paule, Jobst, Der Pate, Der Dichter, Vogel, Nerd, Junior, Kaiser der Zweite und Tiger der Frage, wann ein Mann ein Mann ist und letztendlich doch nicht ohne Frau sein kann. Vielleicht hat die schöne Fremde eine Antwort darauf? Oder der Mann selbst?