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Riesenerfolg von „Amadeus“: Perfekter Start in die Freilichtsaison der Burgbühne

Salieri contra Mozart – Herausragende Leistungen von Arthur Hilberer und Paul Vollmer

Peter Shaffers außergewöhnliches Schauspiel über Genie und Mittelmaß – zusammen mit Mozarts Musik unwiderstehlich -  gab es am vergangenen Freitag zum Auftakt der Burgbühnen-Freilichtsaison. Minutenlanger Beifall für ein glänzendes Ensemble mit großer Spielfreude in einer einfallsreichen,  tollen  Inszenierung von Cornelia Bitsch.

Wolferl jagt das Kätzchen: ein Kater im Liebeswerben. Unter ihm zappelnd und quiekend das Stanzerl im Rokoko-Ballkleid. Ein  junges, verliebtes, verspieltes Paar, das Leben verheißungsvoll. Etwas mehr als zwei Stunden später beugt sich Constanze klagend über ihren sterbenden Mozart, Requiem-Klänge im Hintergrund.

Ein effektvoller Reißer, weltweit als Theaterstück gefeiert und von Milos Forman großartig verfilmt: Shaffer setzt sich mit dem Gerücht auseinander, das seit dem frühen Tod Mozarts immer wieder die Gemüter bewegt hat. Wurde Mozart von dem damaligen Hofkomponisten Salieri vergiftet? Der junge Salieri hat mit Gott einen „Pakt“ geschlossen: moralisch einwandfreier Lebenswandel gegen künstlerischen Erfolg. Das Konzept scheint aufzugehen: Er bringt es bis zum Hofkapellmeister in Wien. Doch dann erscheint Mozart und Salieri erkennt sofort dessen überlegene Genialität, gegen die seine Musik einfallslos, trocken, trivial erscheint. Die provozierende Leichtigkeit des Mozartschen Talents schockiert ihn: Was er mit Arbeitseifer nicht erreicht, spricht aus jeder Note, die dieser kindisch-alberne Witzbold schreibt. Er ist „Amadeus“, der von Gott Geliebte. Salieris Einfluss gelingt es, Mozart in Wien zu isolieren, die Aufführung seiner Werke zu verhindern, ihn schließlich in die finanzielle Katastrophe und in den Tod zu treiben. Doch jetzt setzt die von Salieri erwartete Strafe Gottes ein: Während Mozarts Ruhm nach seinem Tod wächst, fällt er in Vergessenheit.

Arthur Hilberers gibt einen großartigen Salieri, in dem auch tragikomische Seiten aufleuchten, ein messerscharf kalkulierender Ränkeschied, der die miesesten Tricks kennt. Hilberer hat ein facettenreiches,  gewaltiges Pensum, denn er gibt sowohl den gebrochenen alten Mann als auch den jungen dynamischen, ehrgeizigen Hofkompositeur und tritt immer wieder aus dem Spiel als Moderator: Er ist  Intrigant, Menschenverachter und sein hadernder Dialog mit Gott lässt einem den Atem anhalten.
Kongenial sein Gegenspieler Paul Vollmer als Mozart, ein genialer, hemmungslos verspielter Faxenmacher, der sich über alle Konventionen hinweg setzt: er ist hin- und hergerissen zwischen Freiheitsdrang und Anpassung, Idealen und Existenzangst. Dazu kommen seine Macken, seine Gutgläubigkeit – er ist ein hundsordinäres, göttliches Genie. Für Salieri nicht schwer, ihn zu vernichten, sehr berührend in der letzten Szene als einer dem Wahnsinn nahe, gebrochener, schwer kranker Mann kurz vor seinem Tod, gehetzt von der „grauen Gestalt“ an seinem Requiem schreibend.

Keiner der  anderen Darsteller muss sich jedoch in diesem Bühnenspektakel  verstecken: hervorragend die beiden Venticelli (Ulrike Kliewer-Mayer und Jürgen Wurth) wie sie komödiantisch federleicht ihre Klatschnachrichten verbreiten und ihre Nase überall dazwischen stecken. Jenny Schwarz gibt  als Sängerin Cavalieri gekonnt den Vamp wie die Mätresse,  während Justine Haupt als Constanze  Weber mädchenhaft verspielt, später als Frau Mozart von den Alltagssorgen schier erdrückt wird. Bemerkenswert, was die Kindertruppe mit Julia und Maxima Gmeiner, Tim Schweiker und Sophie und Jakob Ganter in einer Szene, die Bitsch in das Stück einfügte, an Gestaltung ihrer Rollen mit großer Spielfreude auf die Bühne bringen.
Eine historische, eigenwillige Charakterstudie von Kaiser Joseph II liefert Egon Mayer, auch im Verbund mit den bestechlichen, arroganten, hinterlistigen Hofschranzen, die dem Kaiser bescheinigen, dass „Mozarts Musik reichlich viele Noten“ habe. Gerade der  Kontrast zwischen dem vor Neid zerfressenen Kontrahenten Mozarts  und den buckelnden, auch pantomimisch glänzenden Hofschranzen mit ihren Manierismen ist reizvoll: Baron von Swieten (Hermann Knopf/ Thomas Wiegert), Gönner Mozarts, der ihn gnadenlos fallen lässt, als er den Gesetzen der Freimaurerloge nicht gehorcht, Ramona Zimmer als skurriler Kammerherr, Bernd Riegelsberger als arroganter Graf Orsini-Rosenberg. Auch das Trio Baronin v. Waldstetten (Ute Söllner), Prinzessin Lichnowsky (Stephanie Kimmig) und Fürst Auersberg (Horst Graupe) tragen mit ihren launenhaften Urteilen zu Mozarts Untergang bei. Natalie Kimmig und Kim Leguttky (alternierend mit Sara Kutz) agieren als gute Dienerschaft und sorgen für rasche Umbauten.

Bei den  Kostümen wurde noch nie so geschwelgt- einfallsreich, ausgesprochen originell und historisch angelehnt, aufwendig durch Accessoires ergänzt - nach Entwürfen von Sigrid Schweiker, mit heißer Nadel umgesetzt von Ulrike und Melanie Huber, Gerti Redick, dazu witzige Perücken (Sepp Busam).Ein variables Bühnenbild, das den ganzen Platz, auch die Zuschauerränge mit einbezieht (Hilberer/Bitsch) und eine Technikercrew mit präzisen Toneinsätzen, so dass Mozarts Musik zum Ensemblepartner wird, runden das Theatererlebnis ab.
Großes Theater  voller Spannung bis zum Schluss, fantasievolle Regie, unterhaltsam, informativ  und ebenso kurzweilig: minutenlanger begeisterter Applaus für eine großartige Ensembleleistung– mit dem einen oder anderen Ohrwurm aus Mozarts Opern.